Land Rover Experience Tour 2013 (Teil 2)

Land Rover Experience Tour 2013 (Teil 2)

Von Berlin durch Polen nach Russland

Auf dem staubigen Seitenstreifen der zweispurigen Landstraße zwischen Lemberg und Odessa ist genug Platz für die sieben Range Rover Evoque und die vier Landrover Discovery. Es ist Zeit für einen kurzen routinemäßigen Check der Fahrzeuge. Seitdem der Tross die polnische Grenze hinter sich gelassen hat, sind die Straßen nicht besser geworden und Fahrzeuge und Ladung kräftig durchgerüttelt. Skeptisch mustert Maren Meyer einen der Gurte, mit denen zwei Kanister an der Dachreling ihres Evoque festgezurrt sind. “Der ist halb durchgescheuert – was können wir tun? ” funkt die junge Frau aus Verden an der Aller, deren Spitzname „Giraffe“ ist, an die Fahrer der anderen Fahrzeuge.

Teamgeist, Geschicklichkeit und Improvisationstalent sind immer gefragt

Mit einem Mal wird der erste Teilabschnitt der diesjährigen Landrover Experience zum Abenteuer. Eine Herausforderung an Teamgeist, Geschicklichkeit und Improvisationstalent, die schon bei der Qualifikation im Frühjahr Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Tour waren. Ursprünglich hatten sich mehr als 30.000 Bewerber um einen der Fahrerplätze bei Land Rover gemeldet. „Ich bin so froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin und mich einfach angemeldet habe“, strahlt Maren, die in ihrem tagtäglichen Leben die Filiale eines Cecil-Stores in Verden leitet. Nach mehreren regionalen Vorausscheidungen war sie unter den sechzig Glücklichen, die an dem langen Wochenende in Wülfrath in einem Steinbruch beweisen mussten, dass sie fit für eine Abenteuerreise durch die halbe Welt sind (siehe Teil 1 meines Berichts).

Die Teilnehmer können zur Not auch einen Reifen wechseln

Am liebsten ist Maren mit dem Auto abseits des Asphalts unterwegs. „Je steiler die Abhänge, desto besser“, schmunzelt sie und ihre blauen Augen leuchten. Sie kennt sich mit Allradtechnik aus, kann einen Reifen wechseln und GPS-Navigation ist für sie auch kein böhmisches Dorf. Beste Voraussetzungen! Sie hat es geschafft und gehört mit den anderen elf Teilnehmern zu den Gewinnern, die beim Abenteuer Seidenstrasse 2013 dabei sein dürfen und jetzt auf der ersten der in drei Abschnitte aufgeteilten und insgesamt 15.000 Kilometer langen Strecke von Berlin ins indische Mumbai ist. Maren liebt es, ein bisschen Entdecker zu spielen und an Orte zu kommen, an denen zuvor nur wenige mit dem Auto waren.
Schließlich steigt sie dem SUV aufs Dach und wickelt die Stücke einer zerschnittenen Schaumstoffmatte um die Haltegurte. Die Ladung sitzt wieder perfekt und für Maren Meyer geht der Weg ins nächste Abenteuer.

Mit Mut und mal zu Fuß in den Katakomben von Odessa

Die weiße Perle am schwarzen Meer, so wird Odessa gerne genannt, gilt als die schönste Stadt der Ukraine. Fast mediterran, wenn auch heute der Blick auf das Meer durch dichte Nebelschwaden verhüllt bleibt.
Skeptisch steigt Maren hinab in die Katakomben unter der Stadt – immerhin haben sich schon manche übermutige Touristen in dem unterirdischen Tunnelsystem verirrt. Beim Bau des heutigen Odessa wurden Anfang des 19. Jahrhunderts dem Boden planlos Tonnen von Sandstein entnommen, um daraus Häuser zu bauen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand so ein mehr als zweitausend Kilometer langes Netzwerk von unterirdischen Gängen, die bis heute nur teilweise erforscht sind. In den ältesten Tunneln waren während des zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung Partisanen stationiert. Nur langsam gewöhnen sich Marens Augen an das Halbdunkel, als ihr Blick plötzlich auf einen Kanister aus jenen längst vergangenen Zeiten fällt. „Der sieht ja genauso aus wie der auf unserem Evoque“ platzt es aus ihr in die nachdenkliche Stille hinein. Sie hat natürlich recht – das Design von 


Pannenhilfe vor Sewastopol
Benzinkanistern scheint tatsächlich zeitlos zu sein.

Am nächsten Morgen setzt sich der Tross in Richtung Sewastopol in Bewegung und trifft auf halber Strecke einen ukrainischen Kartoffelbauern, der mit seinem Wagen im Straßengraben gelandet ist. Seinen zunächst erstaunten Blick und das dann glückliche Grinsen wird Maren so schnell nicht vergessen, als plötzlich alle zweiundzwanzig Leute aus ihren Fahrzeugen aussteigen, um nach kurzem Palaver und dem Griff nach einem Abschleppseil den alten Lada wieder auf die Straße zu ziehen.

Badefreuden und Offroadfahrten am schwarzen Meer

Weiter geht es, immer an der Schwarzmeerküste entlang. Natürlich wird die erste gute Möglichkeit genutzt und an einem schönen Strandabschnitt angehalten. Das Wasser ist handwarm, aber trotzdem bestens für eine kurze Erfrischung geeignet. Die unentwegten Fahrer durchwühlen derweil mit dem Evoque den noch jungfräulichen Sand. Teamchef Dag ordert allerdings schnell die Weiterfahrt an – das Zeitkorsett ist heute genauso eng geschnürt wie an jedem anderen Tag. Nur so lässt sich Sewastopol noch vor 19.30 Uhr erreichen.

Auf alten Handelsrouten in Richtung Jalta

Die Etappe führt weiter, auf eine alte Handelsroute der Griechen in Richtung Jalta an der Südküste der Halbinsel Krim. Tiefe Rillen und Verschränkungen erschweren das Fahren. Nur mühsam kommt der Tross voran. Im Anschluss erklimmt die Kolonne einen Pass – hinauf, bis in 1.200 Meter 

Höhe. Die Temperatur fällt drastisch. Oben angekommen, entschädigt ein hinreißender Blick auf Jalta für den Zeitverlust, den Dag ausnahmsweise mal nicht sofort zum Anlass nimmt, zu treiben.

Ohne Dolmetscher geht an der Grenze gar nichts

Am nächsten Morgen steht ein neuer Grenzübergang bevor. Auf nach Russland. Mit den unhandlichen Kameras im Gepäck und unübersehbarer Kommunikationstechnologie auf den Autodächern könnte das problematisch werden, auch wenn die Ukrainer das neulich eigentlich wenig spektakulär fanden. Um einen Zeitpuffer zu haben, legt Dag die Abfahrt schon mal auf frühe 6.00 Uhr.
Der Konvoi schlängelt sich wohl geordnet durch die sanften Hügel entlang der Schwarzmeerküste. Die Ausreise aus der Ukraine verläuft schleppend. Andere Autos werden an uns vorbei gewunken. Nur durch das Einschalten von Dolmetscher Dimitri geht es nach einer guten Stunde Wartezeit auf die Fähre.

Fahrzeugpapiere im Wasser sind keine wirkliche Panne

Die meisten steigen aus den Autos und beugen sich über die Reling. Auf einmal schwimmt ein Blatt Papier im Wasser. Einer aus der Truppe wird blass und tastet aufgeregt seine Taschen ab. Tatsächlich – für einen d

er Evoques fehlen erst einmal die Papiere. Wie gut, dass für diese Tour alles so akribisch vorbereitet wurde. Für den nun eingetretenen Fall gibt es in dem große grünen Aktenordner im Fahrzeug noch eine offiziell beglaubigte Kopie der Papiere. Ein Aufatmen geht durch die Fahrzeugreihen, als der russische Beamte mit der schicken großen Mütze alle Fahrzeuge durch das Metalltor winkt. Glück gehabt.

Russische Romantik bei sternklarer Nacht

Nach stundenlanger Fahrt über schier endlose Straßen ist endlich ein Campsite an einem kleinen See in Sicht. Schon während des Zeltaufbaus fliegen Horden von Mücken ihre ersten Attacken. Ein schnell entfachtes Feuer hält sie ab und sorgt für eine wohlige, familiäre Atmosphäre in der sternklaren Nacht. Der Mond steht tief und verkehrt herum über den Köpfen der langsam verstummenden Truppe und dem Feuer, das langsam verglüht.
Um fünf Uhr morgens sind die ersten Teilnehmer schon wieder wach, kochen flüsternd Kaffee und holen die große Müslikiste aus einem der Evoques. Nach und nach krabbeln alle aus den Zelten. Einige haben sogar unter freiem Himmel genächtigt. Langsam gleitet die fahlrote Sonne aus ihrem dämmrigen Wolkenbett und sorgt für minutenlanges andächtiges Schweigen.
Die nächsten Ziele auf der Seidenstraße: Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, China,Tibet, der Mount Everest und Indien.

Fortsetzung folgt…

 

(Fotos: Grewe/Land Rover)

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